Meine fünf Ideen, wie wir das Ruhrgebiet von morgen aufbauen können

Meine fünf Ideen, wie wir das Ruhrgebiet von morgen aufbauen können

Wir leben in einer großartigen Region. Auch wenn einen Menschen mitleidig anschauen, sobald man ihnen erzählt, dass man im Ruhrgebiet lebt, wissen wir: Der Himmel über Ruhr ist schon lange nicht mehr grau, das Wasser der Emscher schon lange nicht mehr schmutzig. Es macht Spaß, hier zu leben.

Und trotzdem habe ich mir die Frage gestellt: „Schaffen wir es im Ruhrgebiet, in dem selbst  heute noch die Folgen vergangener Wirtschaftseinbrüche deutlich spürbar sind, nach der Corona-Krise wieder aufzustehen?“

Auch wenn viel Ungewissheit bleibt, bin ich mir sicher: Wir packen es gemeinsam und können gestärkt aus der Krise hervorgehen. Dafür müssen wir uns verändern, wieder mal. Wir müssen lernen in unserer Region effektiver zusammenarbeiten. Andere Ballungsräume machen uns das vor. Wir müssen mutig investieren und klare Prioritäten setzten. Wir müssen entscheiden, wofür wir unser Geld ausgeben.

DIE ZENTRALEN FORDERUNGEN

DIE ZENTRALEN FORDERUNGEN

Ein Ziel für alle

Im Kreis Recklinghausen – dem größten Kreis Deutschlands – leben über 600.000 Menschen. Zuhause sind sie in Castrop-Rauxel, Marl, oder Herten, Gladbeck, Dorsten oder Haltern am See, Waltrop, Datteln, Oer-Erkenschwick oder Recklinghausen. Das Ruhrgebiet ist ihre Heimat. Im Ruhrgebiet gibt es insgesamt 53 Städte. Sie sind vielfältig – vom idyllischen Haltern am See bis hin zum industriellen Marl.

Aber als Ruhrgebiet sind wir eins. Wenn wir es schaffen auch so Politik zu machen, dann können wir jede Krise meistern. Dazu brauchen wir keine großen Strukturreformen, in der man Verwaltungen zusammenlegt, neue Institutionen schafft oder einen Ruhrgebiets-Bürgermeister wählt. Wir brauchen ein gemeinsames Ziel. Das ist für mich das Ruhrgebiet von morgen: Das Zentrum eines menschlicheren Gesundheits- und Sozialwesens. Europas Vorbild für eine neue, saubere Industrie. Mobil, nicht Region des Stillstands. Metropole der starken Städte.

In Gesundheit und soziale Dienste investieren

In der Corona-Krise war es angesagt, für die Alltagshelden in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Kitas, Schulen und sozialen Einrichtungen zu klatschen. Das war richtig, bekundete unsere Solidarität. Aber klatschen allein reicht nicht. Gerade im Gesundheitssystem und im sozialen Bereich ist Arbeit zu schlecht bezahlt und die Belastungen viel zu hoch. Es ist zu viel Druck im Kessel! Selbst ohne Pandemie fliegt unsere Gesellschaft auseinander, wenn wir daran nichts ändern. Das gilt erst recht für den Kreis Recklinghausen und das Ruhrgebiet. Denn während gerade hier unsere Gesellschaft älter wird und die sozialen Gegensätze groß sind, arbeiten die Menschen schon lange nicht mehr auf der Zeche oder im Stahlwerk. Heute arbeiten sie im Handwerk, in kleinen und mittleren Unternehmen, in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Reha-Zentren und sozialen Einrichtungen. Der Rest ist Folklore.

Deshalb muss ein erster Schritt in einem Konjunkturprogramm fürs Ruhrgebiet auch eine bessere Bezahlung und Entlastung durch mehr Arbeitsplätze im Gesundheitswesen und den sozialen Diensten sein. Denn gute Arbeit im Leitmarkt des Ruhrgebiets hilft nicht nur, unsere Gesellschaft besser und gerechter zu machen – es hilft auch der Wirtschaft.

Neue Industrie fürs Ruhrgebiet von morgen

Industriearbeit hat unsere Region groß gemacht. Noch heute ist der Chemiepark in Marl einer der größten Arbeitgeber im Kreis Recklinghausen. Gerade in der Industrie haben wir in der Vergangenheit gute Arbeitsbedingungen erkämpft. Nicht zuletzt die Selbstorganisation der Industriearbeiter in ihren Gewerkschaften hat dies erreicht. Gleichzeitig stehen die großen und mittelständischen Industrieunternehmen in unserer Region vor großen Herausforderungen. Zurecht müssen gerade diese Unternehmen ihren Ausstoß von CO2 enorm reduzieren. Sie müssen lernen mit den Ressourcen Luft und Wasser sparsam umzugehen, Energie einzusparen, wo immer es geht. Und sie stehen in der Verantwortung, bei den Menschen in dieser Region um Akzeptanz zu werben. Eine neue Industrie, das sind für mich nachhaltig produzierende Unternehmen, deren Transparenz für Anwohner nicht am Werkszaun endet. Das größte Potenzial liegt für mich darin, den Kreis Recklinghausen zu einer Wasserstoff-Region umzubauen und damit zum Zentrum eines völlig neuen Industriezweiges in Europa zu gestalten. Mit grünem Wasserstoff schaffen wir neue, klimaneutrale Energie für die bestehenden Industrieunternehmen in der Region. Wir schaffen aber auch einen ganz neuen Wirtschaftszweig, der neue Arbeitsplätze und damit Wohlstand für die Menschen im Ruhrgebiet schafft.

Endlich mobil werden

Wir brauchen Mobilität, die den Namen verdient. Aber wer auf den Straßen im Kreis Recklinghausen unterwegs ist, weiß: Der mobile Alltag im Ruhrgebiet ist purer Stress. Er ist der Streit um den letzten Parkplatz, der Stau auf den Straßen, das Warten beim Umsteigen bei der Fahrt mit Bus und Bahn. Jeden Tag wird mir bewusst, dass das Ruhrgebiet an einem Punkt angelangt ist, an dem die Strategie der breiteren Straßen nicht ausreicht, damit sie für den täglichen Run ausreichen. Und leider ist der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel oder das Rad meist keine Alternative: Weil man doppelt so lange braucht, um von A nach B zu kommen, weil die Tickets zu teuer sind oder man sich den Fahrweg mit zu vielen Autos teilt. Das Ruhrgebiet von morgen darf aber keine Region des Stillstands sein, es muss mobil werden. Das ist wichtig für die Lebensqualität der Menschen und es ist die Voraussetzung für einen dynamischen Wirtschaftsstandort. Ich bin überzeugt, dass die Verkehrswende, die zu unseren Bedürfnissen passt, auch neue Arbeitsplätze und neuen Wohlstand schafft.

Städte zu Konjunkturmotoren machen

Wie wir die Krise meistern, entscheidet sich vor Ort. Hier, in unseren Städten, arbeiten jeden Tag Menschen daran, das Virus zu bekämpfen. Hier machen Unternehmer, Kitas, Schulen, Vereine oder Stadtverwaltungen Konzepte, wie man die Hygieneregeln einhalten kann. Hier entstehen die Ideen, wie wir im Kreis Recklinghausen wieder auf die Beine kommen. Das Gute daran ist: Hier vor Ort, hier in unseren Städten können wir die Menschen aus der Praxis mitnehmen. Hier gehen ihre Erfahrungen nicht verloren. Deshalb sind es auch die Städte, die wir nach dieser Krise stärken müssen. Der größte Teil der öffentlichen Investitionen wird von den Kommunen geleistet. Gerade im Ruhrgebiet ist das ein Problem.

2,6 Mrd. Euro Schulden haben die Städte im Kreis Recklinghausen in den vergangenen Jahrzehnten aufnehmen müssen, um ihre Soziallasten zu finanzieren. Wie viele Schulden durch die Corona-Krise dazukommen, weiß noch niemand. Um gestalten zu können, brauchten unsere Städte im Ruhrgebiet schon vor Corona den Schuldenschnitt. Gleichzeitig müssen wir aber auch für eine gerechtere Verteilung der Gelder zwischen Bund, Land und Stadt sorgen. Wer die Lasten trägt, muss auch die Mittel dazu in die Hand bekommen, sie zu stemmen. Umverteilung an Verantwortung zieht immer die Umverteilung der Finanzierungsmöglichkeiten nach sich. Unsere Städte müssen die Konjunkturmotoren nach der Corona-Krise werden.

SCHREIBEN SIE MIR!

Ihre Meinung ist mir wichtig. Um als Landrat gute Arbeit leisten zu können, ist mir der Draht zu den Bürgerinnen und Bürgern am wichtigsten! Schreiben Sie mir, welche Themen wir als Kreis im Auge behalten müssen. Ich freue mich auf Ihre Nachricht!